Viele moderne Computer verfügen über mehr als einen Grafikprozessor, insbesondere Systeme mit dedizierter GPU und zusätzlich integrierter Grafikeinheit (iGPU). Diese integrierten GPUs sind in der Regel von Intel oder AMD direkt in die CPU eingebaut und spielen eine zentrale Rolle bei Energieverwaltung, Bildausgabe und Kompatibilität.
In manchen Fällen möchten Benutzer:innen die iGPU aus bestimmten Gründen deaktivieren, etwa um Ressourcenkonflikte zu vermeiden oder die Treiberverwaltung zu vereinfachen. Umgekehrt kann das Aktivieren der iGPU die Akkulaufzeit verlängern oder zusätzliche Bildschirmausgänge nutzbar machen. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die integrierte GPU unter Windows 11 aktivieren oder deaktivieren.
Sie bevorzugen eine visuelle Anleitung? Dann sehen Sie sich „So aktivieren oder deaktivieren Sie die integrierte Grafikeinheit unter Windows 11“ an. Das Video fasst das Thema anschaulich zusammen.
So verwalten Sie die iGPU unter Windows 11
Bevor Sie starten, sollte Ihr System diese Voraussetzungen erfüllen:
- Administratorrechte. Für Änderungen im BIOS/UEFI oder im Geräte-Manager sind erhöhte Berechtigungen erforderlich.
- Zugriff auf BIOS/UEFI. Für die vollständige Kontrolle über die Hardware benötigen Sie Zugriff auf die BIOS/UEFI-Firmware.
- Kenntnis der Konfiguration der Bildausgabe. Ist Ihr Monitor an einem Anschluss angeschlossen, der mit der iGPU verbunden ist, kann der Bildschirm nach dem Deaktivieren schwarz bleiben.
- Geprüfte Kabelverbindungen. Prüfen Sie immer, ob das Monitorkabel am richtigen GPU-Ausgang steckt.
Methode 1: iGPU über BIOS/UEFI aktivieren oder deaktivieren (empfohlen)
Das ist der zuverlässigste Weg, die iGPU vollständig zu deaktivieren oder zu aktivieren und zu verhindern, dass sie beim Start initialisiert wird.
⚠️ Hinweis: Die BIOS-Menüs unterscheiden sich je nach Hersteller, etwa bei ASUS, Gigabyte, MSI oder Dell. Details entnehmen Sie dem Handbuch Ihres Systems.
- Starten Sie den Computer neu.
- Rufen Sie während des Startvorgangs das BIOS/UEFI auf (meist mit Entf, F2 oder Esc).
- Wechseln Sie in den Bereich Advanced, Chipset oder North Bridge (je nach Anbieter unterschiedlich).
- Suchen Sie nach einer Einstellung mit einer dieser Bezeichnungen:
- iGPU
- Integrated Graphics
- Internal Graphics
- Setzen Sie den Wert je nach Bedarf auf Enabled oder Disabled.
- Speichern Sie die Einstellungen und verlassen Sie das BIOS/UEFI (meist über die Taste F10).
Methode 2: Integrierte GPU über den Geräte-Manager deaktivieren
⚠️ Warnung: Das Deaktivieren der iGPU kann zum Verlust der Bildausgabe führen, wenn keine dedizierte GPU vorhanden ist. Nutzen Sie diese Methode nur, wenn Sie sicher sind, dass Ihr System eine besitzt. Gehen Sie mit Bedacht vor.
Falls Sie die iGPU über Methode 1 konfiguriert haben und das nicht funktioniert hat, können Sie es über den Geräte-Manager versuchen.
So deaktivieren Sie die iGPU:
- Drücken Sie Win + X und wählen Sie Geräte-Manager.
- Klappen Sie den Bereich Grafikkarten auf.
- Suchen Sie die integrierte GPU (z. B. Intel UHD Graphics).
- Klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen Sie Gerät deaktivieren.
- Bestätigen Sie die Aktion.
So aktivieren Sie die iGPU wieder:
- Öffnen Sie erneut den Geräte-Manager.
- Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die iGPU und wählen Sie Gerät aktivieren.
⚠️ Hinweis: Wenn Sie die iGPU im Geräte-Manager deaktivieren, verhindert das nicht, dass sie beim Start initialisiert wird. Windows erkennt sie weiterhin. Für eine vollständige Deaktivierung müssen Sie den Weg über das BIOS gehen.
Methode 3: PowerShell (nur Abfrage oder Deaktivierung per Skript)
⚠️ Wichtig: Wird versehentlich die einzige aktive GPU deaktiviert, kann der Bildschirm schwarz bleiben. Prüfen Sie daher immer, welche GPU in der aktuellen Sitzung genutzt wird. Gehen Sie mit Bedacht vor.
Mit den folgenden Befehlen fragen Sie Ihre aktuellen Grafikkarten ab und deaktivieren oder aktivieren die integrierte GPU bei Bedarf wieder.
- Alle Grafikkarten auflisten:
Get-PnpDevice -Class Display | Select Name, InstanceId- Ersetzen Sie
<HardwareID>durch die exakte Kennung aus der Ausgabe des Listenbefehls. Gehen Sie dabei umsichtig vor und stellen Sie sicher, dass die GPU, die Sie deaktivieren, nicht die aktuell genutzte primäre GPU ist.
- Ersetzen Sie
- Eine bestimmte GPU deaktivieren:
Disable-PnpDevice -InstanceId "<HardwareID>"
Weitere Aspekte bei der Verwaltung der integrierten Grafikeinheit
Berücksichtigen Sie die folgenden Faktoren und deren weiterreichende Auswirkungen, wenn Sie die integrierte Grafikeinheit unter Windows 11 verwalten:
- Hybride GPU-Systeme: Technologien wie NVIDIA Optimus oder AMD Dynamic Switchable Graphics setzen auf beide GPUs. Deaktivieren Sie die iGPU, kann dieser Umschaltmechanismus nicht mehr funktionieren.
- Weiterleitung der Bildausgabe: Nur die iGPU ist mit den Monitoranschlüssen des Mainboards verbunden. Nach dem Deaktivieren sind diese Anschlüsse möglicherweise unbrauchbar, da die dGPU ihre eigenen Ausgänge nutzt.
- Treiberkonflikte: Das Deaktivieren der iGPU kann Probleme in Software verringern, die mit mehreren GPUs nicht gut zurechtkommt.
- Energieprofile: iGPUs verbrauchen weniger Strom und werden bei Notebooks im Akkubetrieb oft bevorzugt. Ein Deaktivieren kann sich negativ auf die Akkulaufzeit auswirken.
Grenzen von Gruppenrichtlinien und MDM
Die Konfiguration der integrierten GPU kann Administrator:innen in der Unternehmens-IT vor einige Herausforderungen stellen. Dazu zählen unter anderem:
- Derzeit gibt es keine direkten Einstellungen über Gruppenrichtlinien oder Mobile Device Management (MDM), um physische GPUs zu aktivieren oder zu deaktivieren.
- Nutzen Sie BIOS-Konfigurationstools der OEMs (z. B. Dell Command Configure, Lenovo BIOS WMI Interface), um den iGPU-Status in Unternehmensumgebungen per Skript zu setzen.
- Kombinieren Sie das bei Bedarf mit Anzeigerichtlinien und Treiberbeschränkungen.
Best Practices für die Verwaltung von iGPUs unter Windows 11
Die Verwaltung der integrierten Grafikeinheit unter Windows 11 hilft dabei, die Leistung zu optimieren, Konflikte zu vermeiden oder das Verhalten von Geräten gezielt anzupassen. Der Vorgang wirkt zwar unkompliziert, dennoch sollten Sie beim Deaktivieren der iGPU vorsichtig sein. Das gilt besonders für Systeme, die für die Bildausgabe oder die Energieeffizienz darauf angewiesen sind.
Für die Konfiguration der iGPU stehen verschiedene Wege offen. Über BIOS/UEFI lässt sich die integrierte Grafikeinheit vollständig deaktivieren oder aktivieren. Der Geräte-Manager eignet sich dagegen eher für vorübergehende Änderungen auf Betriebssystemebene. PowerShell wiederum ist ein starkes Tool, das Sie mit Bedacht zum Skripten oder Prüfen des GPU-Status einsetzen können. Besonders wichtig: Prüfen Sie vor jeder Änderung die Monitorverbindungen und ob eine alternative GPU verfügbar ist.
Quick-Start-Guide
NinjaOne bietet Skriptfunktionen, mit denen Sie diese Aufgabe über eigene Skripte erledigen können.
Einige relevante Aspekte:
- NinjaOne unterstützt Windows 11 und stellt diverse Skripte zur Systemkonfiguration bereit
- Sie können eigene Skripte erstellen, um Grafikeinstellungen anzupassen
- Die Plattform erlaubt die Ausführung von PowerShell-Skripten mit Administratorrechten
Wenn Sie gezielt die integrierte Grafikeinheit aktivieren oder deaktivieren möchten, gehen Sie so vor:
- Sehen Sie sich zuerst die BIOS/UEFI-Einstellungen Ihres Geräts an
- Erstellen Sie ein eigenes PowerShell-Skript, um die Grafikeinstellungen anzupassen
- Verteilen Sie das Skript über die Skriptverwaltung von NinjaOne
