Schulen und Schulträger benötigen ein Verwaltungskonzept, bevor sie Tablets in größerem Umfang einführen. Mobile Device Management (MDM) unterstützt IT-Teams dabei, Geräte zu registrieren, Einstellungen zu konfigurieren, Anwendungen bereitzustellen und Geräte über ihren gesamten Lifecycle zu verwalten. Dieser Leitfaden zeigt, wie sich diese Anforderungen mit einem Projekt im Rahmen des DigitalPakt 2.0 verbinden lassen und welche Fragen zu Förderung, Technik und Datenschutz vor der Beschaffung zu klären sind.
Kurz gesagt
Der DigitalPakt 2.0 sieht Investitionen von insgesamt 5 Milliarden € von Bund und Ländern vor. Das Bundesbildungsministerium (BMBFSFJ) nennt einen Programmzeitraum vom 1. September 2026 bis zum 31. Dezember 2030; Projekte, die ab dem 1. Januar 2026 begonnen wurden, können unter Umständen förderfähig sein. Die detaillierten Regeln und Antragsverfahren legen die Länder fest. Lizenzen, Implementierung und Support für MDM sind daher anhand der jeweiligen Förderrichtlinie des Landes und der Projektbedingungen zu prüfen. Aus dem bundesweiten Starttermin folgt weder, dass Anträge in jedem Land bereits möglich sind, noch dass eine bestimmte Anschaffung erstattet wird.
Was der DigitalPakt 2.0 für die IT-Planung an Schulen verändert
Das Programm verknüpft digitale Infrastruktur mit Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie der Lehrkräftefortbildung und gliedert sich dazu in drei Säulen: digitale Infrastruktur (I), die von den Ländern finanzierte Schul- und Unterrichtsentwicklung (II) und die gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zum digitalen Lehren und Lernen (III). Die Hinweise des Bundes nennen Netzwerke, mobile Endpunkte, Bildungssoftware und Lernplattformen und lassen vereinfachte Verfahren wie pauschale Zuweisungen zu.
Die offizielle Programmwebsite führt darüber hinaus ausdrücklich Strukturen für professionellen technischen Support auf. Daraus ergibt sich jedoch nicht, dass jeder Wartungsvertrag, jede Personalkostenposition oder jedes wiederkehrende MDM-Abonnement förderfähig ist. Maßgeblich bleiben die Umsetzungsregeln der Länder und der Förderbescheid.
Die Gesamtsumme von 5 Milliarden € bezieht sich auf das gesamte Programm und verteilt sich auf verschiedene Maßnahmen. Sie begründet keine hälftige Bundesförderung für jedes einzelne Tablet- oder MDM-Projekt vor Ort.
Warum Tablets ein Verwaltungskonzept brauchen
Ohne zentrale Verwaltung müssen IT-Teams unter Umständen jedes Tablet einzeln konfigurieren, Geräte manuell nachverfolgen und diese Arbeit jedes Mal wiederholen, wenn Schüler:innen, Klassen oder Lehrkräfte wechseln. Ein dokumentiertes Betriebsmodell beugt uneinheitlichen Einstellungen, fehlenden Apps und verzögerten Updates vor und schafft Klarheit, wenn Geräte verloren gehen oder zurückgegeben werden.
Ausgangspunkt ist das Unterrichtsmodell: personalisierte Einzelgeräte, gemeinsam genutzte Klassensätze, Lehrkräftegeräte oder private Geräte. Jedes Modell wirkt sich anders auf Registrierung, Kontozugriff, Datenschutz, Support und die Anforderungen an das Zurücksetzen aus. Klären Sie neben den MDM-Anforderungen auch die WLAN-Kapazität, die Identitätsdienste, die Lademöglichkeiten und die physische Aufbewahrung.
Die Rolle von MDM in einem Tablet-Projekt
Verwenden Sie diese Matrix, um die Anforderungen und die Kosten festzulegen, die mit der Förderstelle zu besprechen sind. Hierbei handelt es sich um Planungskategorien, nicht um bestätigte erstattungsfähige Ausgaben. Die Funktionen hängen vom Betriebssystem, dem Registrierungsmodus, dem Gerät und dem gewählten Dienst ab.
| Betriebliche Anforderung | Zu prüfende Anforderung | Zu klärende Kosten |
| Registrierung | Automatisierte oder geführte Einrichtung mit den passenden Schulrichtlinien | MDM-Lizenzen und Einrichtungsleistungen |
| Inventar | Geräteeigentümer, Schulzuordnung, Betriebssystemversion und letzte Verbindung zum MDM | Abonnement- und Integrationskosten |
| Anwendungen und Richtlinien | Freigegebene App-Verteilung und Einstellungen, die zur jeweiligen Gerätegruppe passen | App-Lizenzen und Konfigurationsaufwand |
| Updates | Unterstützte Update-Steuerung, Zeitplanung und Compliance-Berichte | Verwaltungslizenzen und Administration |
| Support | Remote-Befehle, Bildschirmansicht oder Fernsteuerung, soweit unterstützt | Lizenzen für Remote-Support und Servicevereinbarungen |
| Wiederverwendung und Außerbetriebnahme | Nachweisbares Löschen, Bereinigung von Konten, Neuzuweisung und Entsorgungsnachweise | Lifecycle-Leistungen und Ersatzhardware |
Registrierung und Kontoverantwortung
Prüfen Sie bei iPads den Apple School Manager und die automatisierte Geräteregistrierung in Verbindung mit dem gewählten MDM-Service. Planen Sie ein, wer die Zertifikate des Push-Mitteilungsdiensts von Apple sowie die Registrierungs- und Inhaltstoken besitzt und wer sie erneuert. Android Enterprise unterstützt Verfahren wie die Registrierung per QR-Code und die Zero-Touch-Registrierung, abhängig von den Anforderungen an Geräte und Einsatzszenario. Diese Verfahren sind zwischen den Betriebssystemen nicht austauschbar.
Halten Sie Administratorkonten und Wiederherstellungszugänge in der Hand der Institution. Führen Sie für gemeinsam genutzte Tablets den vorgesehenen Ablauf für An- und Abmeldung sowie die Datentrennung in einer Pilotphase vor. Eine allgemeine Unterstützung der iPad-Verwaltung bedeutet nicht, dass jedes Shared-iPad- oder Klassenraum-Szenario unterstützt wird.
Apps und Konfiguration
Legen Sie fest, welche Apps, WLAN-Einstellungen, Einschränkungen und Berechtigungen für Schüler:innen sowie für Lehrkräfte gelten. Testen Sie Lizenzierung und Neuzuweisung von Apps, Anforderungen an die Barrierefreiheit sowie alle Anbindungen an Identitäts- oder Lernplattformen. Prüfen Sie, ob für eine benötigte Einschränkung eine betreute oder vollständig verwaltete Registrierung erforderlich ist, bevor Sie diese in die Leistungsbeschreibung aufnehmen.
Updates und Remote-Support
Lassen Sie sich von den Anbietern die Update-Steuerung auf den tatsächlich eingesetzten Tablet-Modellen und Betriebssystemversionen vorführen. Berücksichtigen Sie ein Verfahren für Geräte, die offline sind, nicht mehr unterstützt werden oder sich nicht aktualisieren lassen. Ein MDM kann unterstützte Einstellungen anwenden und den Status melden, es kann aber nicht garantieren, dass jedes Gerät jederzeit auf dem aktuellen Stand ist.
Spezifizieren Sie Remote-Befehle, Bildschirmansicht und interaktive Fernsteuerung getrennt voneinander. Ihre Verfügbarkeit und die Anforderungen an die Interaktion der Nutzenden unterscheiden sich. NinjaOne dokumentiert beispielsweise die Bildschirmfreigabe für iOS und iPadOS sowie die Fernsteuerung für unterstützte verwaltete Android-Geräte. Sagen Sie nicht für alle Plattformen identische Support-Funktionen zu.
Neuzuweisung und Außerbetriebnahme
Legen Sie die Schritte für Rückgabe, zulässige Datenaufbewahrung, Löschung, Neuzuweisung und Entsorgung fest. Stellen Sie sicher, dass die Löschung abgeschlossen ist, bevor ein Gerät den Verantwortungsbereich der Institution verlässt; ein gesendeter Remote-Befehl ist kein Beleg dafür, dass ein Offline-Gerät ihn empfangen hat. Planen Sie, wie Konto- oder Aktivierungssperren aufgelöst, App-Lizenzen zurückgeholt und erforderliche Inventarnachweise aufbewahrt werden. Die Aufhebung der Registrierung allein darf nicht als nachgewiesene Datenlöschung gelten.
Förder- und Beschaffungsplanung erstellen
Erstellen Sie ein Lifecycle-Budget, das einmalige Anschaffungen von wiederkehrenden Kosten trennt. Berücksichtigen Sie Lizenzen, Implementierung, Personalkapazität, Support, Schulungen, Ersatzbeschaffungen und eine mögliche spätere Migration zu einem anderen Anbieter. Klären Sie, wer die Kosten außerhalb der Förderung und nach Ablauf des Förderzeitraums trägt.
Bitten Sie vor Bestellungen oder Vertragsabschlüssen die zuständige Landesbehörde oder Förderstelle, Folgendes zu bestätigen:
- die geltende Richtlinie, die antragsberechtigten Stellen, den Antragszeitraum und den Einreichungsweg
- welche Kosten für MDM, Hosting, Einrichtung, Support, Personal und Verlängerungen abgedeckt sind und für welchen Zeitraum
- den Eigenanteil, etwaige Förderobergrenzen und die Abgrenzung von Ausgaben, die bereits anderweitig gefördert werden
- was als Projektbeginn gilt und wie die Regeln zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn auf die geplante Beschaffung anzuwenden sind
- erforderliche Vergabeunterlagen, pädagogische und Betriebskonzepte, Aufbewahrungsfristen und Nutzungsnachweise
Der Verweis des Ministeriums auf Projekte, die ab dem 1. Januar 2026 begonnen wurden, ist keine uneingeschränkte Erstattungsgarantie. Bewahren Sie die schriftliche Klärung der Behörde in der Projektakte auf und lassen Sie das geltende Vergabeverfahren von der Beschaffungsstelle bestätigen.
Nehmen Sie eine Pilotphase und messbare Abnahmekriterien in die Leistungsbeschreibung auf. Beispiele sind die Zeit für die Vorbereitung eines Klassensatzes, die Richtlinienabdeckung bei den aktiven Geräten, der Update-Status bei kürzlich verbundenen Geräten, die Reaktionszeit des Supports sowie ein erfolgreiches Zurücksetzen und Neuzuweisen. Legen Sie die Zielwerte vor dem Rollout fest.
Schutz der Daten von Schüler:innen und Lehrkräften
Beziehen Sie den Datenschutzbeauftragten frühzeitig ein. Klären Sie, wer nach den geltenden schul- und landesrechtlichen Vorgaben Verantwortlicher ist, auf welcher Rechtsgrundlage die Verarbeitung erfolgt und welche Informationen Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte erhalten. Verarbeitet ein Anbieter Daten im Auftrag des Verantwortlichen, ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO erforderlich. Prüfen Sie außerdem Unterauftragsverarbeiter, Hosting- und Support-Zugriffe, internationale Datenübermittlungen, Aufbewahrung und Löschung. Beurteilen Sie, ob für den Einsatz eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO durchzuführen ist.
Die erhobenen Daten und die Administratorrechte sind auf Bildungs- und Betriebszwecke zu beschränken. Legen Sie klare Regeln für Standortdaten, Bildschirmfreigabe, Protokolle und die Fernlöschung fest, insbesondere auf privaten Geräten. Verwenden Sie eine strenge Administratorauthentifizierung und überprüfen Sie den privilegierten Zugriff. Das Hosting in Deutschland oder der EU allein reicht nicht aus, um die DSGVO-Compliance zu gewährleisten.
Zuständigkeiten vor der Beschaffung festlegen
Das folgende Betriebsmodell ist ein Vorschlag. Klären Sie die tatsächliche Aufgabenverteilung anhand der lokalen Regelungen; die operative Zuständigkeit bestimmt für sich genommen nicht, wer datenschutzrechtlich Verantwortlicher ist.
| Rolle | Abzustimmende Aufgaben |
| Schulträger | Budget, Beschaffung, Verantwortung für den Service, Verträge und Finanzierung über den gesamten Lifecycle |
| Schulleitung und Lehrkräfte | Pädagogische Anforderungen, App-Anfragen, Übergabeprozesse und Meldung von Vorfällen |
| IT-Team oder Service Provider | Registrierung, Richtlinien, Überwachung des Update-Status, Support, Zertifikatserneuerungen und Außerbetriebnahme |
| Expert:innen für Datenschutz und Beschaffung | Beratung zu Auftragsverarbeitung, Zugriffsschutzmaßnahmen, Förderbedingungen und Vergabeverfahren |
Checkliste für DigitalPakt 2.0 und MDM-Planung
- Prüfen Sie die aktuellen Regeln des Landes, den Stand der Antragstellung, die förderfähigen Kosten und die Bedingungen zum Projektbeginn.
- Erfassen Sie Tablet-Stückzahlen, Eigentumsverhältnisse, Betriebssysteme, das Unterrichtsmodell und die erforderlichen Integrationen.
- Benennen Sie Verantwortliche für Konten, Zertifikate, Richtlinien, Support, Datenschutz und Außerbetriebnahme.
- Trennen Sie über den gesamten Geräte-Lifecycle hinweg geförderte Kosten von wiederkehrenden und nicht geförderten Kosten.
- Testen Sie Registrierung, Apps, Updates, Support, Datenschutzeinstellungen und Neuzuweisung auf repräsentativen Geräten.
- Bewahren Sie Beschaffungs- und Förderunterlagen auf und vereinbaren Sie Abnahmekriterien für den Rollout.
Wo NinjaOne zum Einsatz kommen kann
NinjaOne ist eine cloudbasierte Endpunkt-Management-Plattform, deren MDM-Funktionen Android, iOS, iPadOS und macOS abdecken. Über die übergreifende Plattform können Teams Mobilgeräte zusammen mit Windows-, macOS- und Linux-Endpunkten verwalten. Bei macOS sind sowohl MDM als auch agentenbasierte Verwaltung möglich. Die Verwaltung von Windows und Linux sollte nicht als derselbe mobile MDM-Funktionsumfang beschrieben werden.
Für die Planung an Schulen dokumentiert NinjaOne die Integration des Apple School Manager für die automatisierte Geräteregistrierung, Registrierungsoptionen für Android sowie die Verwaltung von Apple-Betriebssystemupdates. Bewerten Sie diese Funktionen anhand des tatsächlichen Gerätemixes und der Abläufe der Schule, einschließlich der Anforderungen an Shared iPad, Klassenraum-Szenarien, Identitätsdienste und App-Lizenzierung. Prüfen Sie die Verfügbarkeit der Funktionen und die Lizenzierung in der vorgesehenen Konfiguration.
Die technischen Fähigkeiten eines Produkts begründen weder eine Förderfähigkeit im Rahmen des DigitalPakts noch die Compliance eines konkreten Schulprojekts. Messen Sie den Service daher an denselben Anforderungen an Förderung, Beschaffung und Datenschutz wie das übrige Projekt.
