Windows Sandbox bietet Benutzer:innen eine virtuelle Umgebung, in der sie verschiedene Arten von Software testen und unterschiedliche Szenarien nachstellen können, ohne das Betriebssystem des Host-Computers zu gefährden. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die vGPU in Windows Sandbox aktivieren und deaktivieren.
vGPU in Windows Sandbox aktivieren oder deaktivieren
Da Windows Sandbox ein fortgeschrittenes Tool ist, benötigen Sie dafür Folgendes:
- Windows 10 Pro oder Enterprise, Version 1903 (Build 18362) oder neuer
- Die Funktion Windows Sandbox muss aktiviert sein. Suchen Sie dazu in der Taskleiste nach Windows-Features aktivieren oder deaktivieren und setzen Sie einen Haken bei Windows Sandbox.
- Administratorrechte zum Erstellen von .wsb-Konfigurationsdateien
- Um zu prüfen, ob Sie Administratorzugriff haben, öffnen Sie das Startmenü > Einstellungen > Benutzerkonten. Unter Ihrem Benutzernamen sollte das Wort „Administrator“ stehen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Öffnen Sie den Datei-Explorer. Wechseln Sie in den Ordner, in dem Sie Ihre Sandbox-Konfigurationsdatei speichern möchten.
- Stellen Sie sicher, dass die Dateinamenerweiterungen im Datei-Explorer eingeblendet werden. Wechseln Sie dazu im Menüband auf die Registerkarte Ansicht und aktivieren Sie die Option Dateinamenerweiterungen.
- Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Fläche. Wählen Sie Neu > Textdokument.
- Benennen Sie die Datei SandboxVGPU.wsb > Eingabetaste.
- Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die neue Datei. Wählen Sie Öffnen mit > Editor.
- Um die virtuelle GPU in Windows Sandbox zu aktivieren, fügen Sie diesen Code in das Dokument ein:
<Configuration>
<VGPU>enable</VGPU>
</Configuration>
Zum Deaktivieren verwenden Sie stattdessen diesen Code:
<Configuration>
<VGPU>disable</VGPU>
</Configuration>
- Strg + S zum Speichern. Je nach Ihren Einstellungen sollte die vGPU in Windows Sandbox nun aktiviert bzw. deaktiviert sein.
Weitere Konfigurationsmöglichkeiten
In Windows Sandbox können Sie neben dem Aktivieren oder Deaktivieren einer vGPU noch viele weitere Dinge einstellen. Je nachdem, was Sie testen, müssen Sie möglicherweise mehrere Konfigurationen ausprobieren, damit Windows Sandbox Ihren Anforderungen vollständig entspricht. Hier einige Möglichkeiten:
- Umleitung der Zwischenablage – Damit können Sie Dateien wie Bilder, Dokumente und Ordner von Ihrem Host-Rechner in Windows Sandbox kopieren. Diese Funktion ist standardmäßig aktiviert, Sie können sie aber je nach Bedarf deaktivieren.
- Netzwerk – Windows Sandbox erstellt standardmäßig eine virtuelle Netzwerkkarte, damit Sie Zugriff auf das Internet haben. Das lässt sich deaktivieren.
- Ordnerzuordnung – Sie können Ordner vom Host-Computer in Windows Sandbox einbinden, sodass die virtuelle Umgebung dieselben Ordner und Dateien enthält wie die Host-Workstation. Für jeden Ordner lässt sich außerdem der Schreibschutz aktivieren: Die Dateien im Ordner sind dann zwar einsehbar, können aber nicht bearbeitet werden, und es lassen sich keine Inhalte hinzufügen.
Hier ein Beispiel für einen Konfigurationscode, der all diese Einstellungen zusammen mit der Einstellung für die vGPU verwendet:
<Configuration><VGPU>Disable</VGPU><ClipboardRedirection>Disable</ClipboardRedirection><Networking>Disable</Networking><MappedFolders><MappedFolder><HostFolder>C:\TestFiles</HostFolder><ReadOnly>true</ReadOnly></MappedFolder></MappedFolders></Configuration>
Tipps zur Fehlerbehebung beim Aktivieren der virtuellen GPU in Windows Sandbox
Problem: Die Sandbox startet nicht
Prüfen Sie das BIOS Ihres Computers und vergewissern Sie sich, dass die Virtualisierungsfunktionen aktiviert sind. Der Zugriff auf das BIOS unterscheidet sich je nach Hersteller, in der Regel starten Sie den Computer jedoch neu und drücken entweder F10, F2, F12, F1, ESC oder ENTF.
Wenn die Virtualisierungsfunktionen aktiviert sind und die Sandbox trotzdem nicht startet, suchen Sie in der Taskleiste nach Windows-Features aktivieren oder deaktivieren und stellen Sie sicher, dass Windows Sandbox aktiviert ist.
Problem: Die vGPU in Windows Sandbox funktioniert nicht
Stellen Sie sicher, dass die Konfigurationsdateien korrekt formatiert sind und die richtige Erweiterung .wsb haben. Prüfen Sie außerdem die Syntax des Codes, um Fehler auszuschließen.
Problem: Die Hardwarebeschleunigung ist auch nach dem Deaktivieren der vGPU noch aktiv
Prüfen Sie die Syntax des Codes in der .wsb-Datei noch einmal. Vergewissern Sie sich, dass die Tags <vGPU></vGPU> korrekt geschrieben und richtig innerhalb von <Configuration></Configuration> platziert sind.
Was ist Windows Sandbox?
Windows Sandbox ist eine Sandbox-Umgebung, die auf Computern mit Windows 10 und Windows 11 nativ zur Verfügung steht. Einfach gesagt erhalten Benutzer:innen damit eine schlanke und flüchtige Umgebung, in der sie verschiedene Szenarien nachstellen und Software ausführen können, die sie auf ihrem Host-Computer vielleicht lieber nicht starten möchten.
All diese Aktionen bleiben auf die Sandbox beschränkt, und nach dem Schließen von Windows Sandbox wird alles wieder vollständig gelöscht. So bleibt das Betriebssystem des Hosts geschützt, während Benutzer:innen trotzdem verschiedene Programme und Software ausprobieren können.
Worin unterscheiden sich vGPU und GPU?
Eine Graphics Processing Unit (GPU) ist eine spezialisierte elektronische Einheit, die ursprünglich vor allem für die Verarbeitung digitaler Bilder und Videos entwickelt und eingesetzt wurde. Eine einzelne Einheit verfügt über Tausende Rechenkerne, die alle gleichzeitig arbeiten können, um Daten effizient parallel zu verarbeiten. Ursprünglich wurde sie typischerweise für grafikbezogene Aufgaben genutzt. Aufgrund ihrer parallelen Struktur erwies sie sich jedoch auch in anderen Bereichen als besonders nützlich, etwa in der rechnergestützten Entwicklung (CAE), der rechnergestützten Konstruktion (CAD) und der rechnergestützten Fertigung (CAM).
Eine virtuelle Graphics Processing Unit (vGPU) übernimmt dagegen dieselben Aufgaben wie eine normale GPU, allerdings über Software statt über einen physischen Chip. Sie nimmt eine physische GPU, die in einem Server verbaut ist, und wandelt sie in virtuelle GPUs um, die sich auf verschiedene virtuelle Maschinen verteilen lassen.
Was ist vGPU-Sharing?
Mit vGPU-Sharing können Sie in Windows Sandbox eine hardwarebeschleunigte Grafikausgabe über die physische GPU des Host-Computers aktivieren. Das kann die Grafikleistung und die Kompatibilität verbessern. Sie sollten dabei allerdings vorsichtig sein, denn es können Sicherheitsschwachstellen und zusätzliche Angriffsflächen entstehen, besonders in sensiblen Umgebungen.
Wann sollten Sie vGPU-Sharing deaktivieren?
Es gibt Umgebungen, in denen die virtuelle GPU von Angreifer:innen ausgenutzt werden kann. Darauf sollten Sie vorbereitet sein. Wenn Sie ein Höchstmaß an Sicherheit erreichen möchten, deaktivieren Sie die vGPU am besten vollständig.
Es gibt außerdem Situationen, in denen Sie für Ihre virtuelle Umgebung gar keine GPU benötigen. Wenn Sie nur Anwendungen ohne hohe Leistungsanforderungen nutzen, etwa Kommandozeilen-Werkzeuge, brauchen Sie die vGPU möglicherweise nicht. In diesem Fall lassen Sie sie besser deaktiviert und setzen stattdessen auf maximale Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu vGPU und Windows Sandbox
Wie lautet die Standardeinstellung für die vGPU in Windows Sandbox?
vGPU-Sharing ist standardmäßig deaktiviert. Wenn Sie es aktivieren möchten, folgen Sie dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Kann ich die vGPU systemweit für alle Sandbox-Instanzen erzwungen deaktivieren?
Nein. Jede vGPU und ihre Einstellungen müssen in der .wsb-Datei definiert werden.
Wird die Sandbox langsamer, wenn ich die vGPU deaktiviere?
Ja, vor allem, wenn Sie Anwendungen nutzen, die auf Hardwarebeschleunigung angewiesen sind, etwa Videobearbeitungssoftware, Videowiedergabe und andere grafiklastige Anwendungen.
Stellt der vGPU-Zugriff ein Sicherheitsrisiko dar?
In manchen Fällen kann er ein Sicherheitsrisiko darstellen, da er Angreifer:innen einen zusätzlichen Angriffspunkt bietet. Um eine Sicherheitsverletzung zu verhindern, sollten Sie die Best Practices für virtuelle GPUs befolgen.
vGPU in Windows Sandbox aktivieren: Leistung und Sicherheit im Gleichgewicht
Die vGPU ist standardmäßig deaktiviert, Sie können sie jedoch über eine .wsb-Datei aktivieren. Deaktiviert zu lassen ist in Situationen sinnvoll, in denen Sie keinen Leistungsschub benötigen oder in denen Sie höhere Sicherheit für Ihren Computer brauchen. Wenn Sie grafikintensive Testszenarien rendern oder leistungshungrige Aufgaben ausführen, ist das Aktivieren von vGPU-Sharing womöglich die bessere Wahl.
Windows Sandbox gibt Administrator:innen weitreichende Kontrolle über ihre Staging-Umgebungen, und mit aktiviertem vGPU-Sharing finden sie die perfekte Balance zwischen Leistung und Isolation.
