Überall KI ist nicht die Antwort
Rund um KI herrscht derzeit ein enormer Lärmpegel. Jeder Anbieter spricht darüber, jeder Kunde hört davon, und die meisten MSPs versuchen herauszufinden, was sie eigentlich damit anfangen sollen.
Ich würde hier ansetzen: Hören Sie auf, KI und Automatisierung als dasselbe zu behandeln. Das sind sie nicht, und genau diese Verwechslung führt viele MSPs in die falsche Richtung.
Automatisierung gibt es schon seit Jahren
Die wertvollste Automatisierung in einem gut geführten MSP ist oft überhaupt nicht KI-gestützt. Effizienzgewinne durch Automatisierung entstehen durch integrierte Arbeitsabläufe und eine abgestimmte Plattform, nicht dadurch, dass man einer fragmentierten Umgebung neue KI-Funktionen aufsetzt. Das Ergebnis: sauberere Workflows, engere Integrationen, eine bessere Nutzung von APIs und Tools im Stack, die effektiver zusammenspielen. KI kann Teil des Bildes sein, und in manchen Fällen ist sie ein sehr starker Teil davon. Ich habe Teams erlebt, die Automatisierungen gebaut haben, bei denen KI etwa 30 bis 40 Prozent der Lösung ausmacht. Der Rest sind APIs, Integrationen und die Arbeit daran, den Stack so zusammenzuführen, wie es von Anfang an hätte sein sollen. Genau deshalb ist KI allein nicht die ganze Antwort. Sie kann bereits bestehende, nicht verbundene Tools, schlechte Workflows oder Ineffizienzen nicht beheben. Wenn Ihre Plattformen nicht miteinander sprechen, wird KI das nicht auf magische Weise aufräumen. Die Grundlagenarbeit bleibt Ihnen nicht erspart.
Ergebnisse zählen, nicht der Werkzeugkasten
Letztlich geht es um Effizienz. Werden Tickets schneller bearbeitet? Gewinnen Techniker:innen Zeit zurück? Verschwinden wiederkehrende Klicks? Arbeiten Ihre Systeme so zusammen, dass daraus messbare Effizienz entsteht?
Lautet die Antwort auf die meisten dieser Fragen Nein, dann sind weitere KI-Tools nicht die Lösung. Dann müssen Sie zuerst Ihr operatives Fundament in Ordnung bringen.
Ihre Tools müssen miteinander sprechen
Die meisten MSPs betreiben bereits Plattformen, die mehr Wert liefern könnten, wenn sie besser verbunden wären. Das Problem ist die Fragmentierung: zu viele Tools, zu viele Anbieter, zu wenig Integration. In einer solchen Umgebung bleiben Effizienzprobleme unbemerkt, obwohl sie offen zutage liegen.
Bevor Sie jeder neuen KI-Ankündigung hinterherlaufen, nehmen Sie Ihren bestehenden Stack kritisch unter die Lupe. Wenn sich ein Tool nicht gut in den Rest der Umgebung integriert, sollten Sie einen sehr guten Grund haben, es zu behalten.
Am schwersten fällt die Entscheidung, wo man anfängt
Viele MSPs sperren sich nicht gegen KI, weil sie nicht daran glauben. Sie zögern, weil der Lärmpegel es schwer macht zu erkennen, wo man beginnen soll. Fängt man damit an, Kunden bei der Einführung neuer Tools zu unterstützen, die eigenen internen Abläufe zu verbessern, das Team zu schulen oder den Stack zu konsolidieren?
Das sind berechtigte Fragen, aber Unsicherheit darf keine Ausrede für Stillstand sein. Vorankommen werden die MSPs, die ihre Teams weiterbilden, ihren Stack aufräumen, Tools wählen, die tatsächlich zusammenspielen, und sich auf Partner stützen, die ihnen helfen, effizienter zu werden, Risiken zu senken und ihre Margen zu steigern.
Weiterbildung beginnt im eigenen Haus
Wenn Ihre Techniker:innen und Führungskräfte nicht souverän über KI, Automatisierung und Workflow-Effizienz sprechen können, wird es sehr schwer, Kunden durch dieselben Gespräche zu führen. Weiterbildung muss intern beginnen, bevor sie nach außen zum Marktvorteil wird.
Diese Arbeit nimmt Ihnen niemand ab. MSPs müssen in die Weiterbildung ihrer selbst und ihrer Teams investieren. Nutzen Sie jede verfügbare Ressource, holen Sie Vordenker:innen ins Haus, fordern Sie von Ihren Anbietern echtes Enablement ein und schaffen Sie eine Kultur, in der Lernen zum Arbeitsalltag gehört.
Ihre Kunden nutzen KI längst ohne Sie
Eines der am meisten unterschätzten Risiken ist derzeit, dass Kunden KI in ihren eigenen Umgebungen einführen, ohne dass der MSP beteiligt ist oder überhaupt davon weiß. Teams setzen Tools auf, bauen Workflows und treffen Entscheidungen mit echten Auswirkungen auf Sicherheit und Governance, und viele MSPs ahnen nichts davon.
Schatten-IT gab es schon immer, aber KI hat sie deutlich einfacher und schneller gemacht. MSPs, die davon ausgehen, dass sie das Tempo der Technologieeinführung in ihren Kundenumgebungen weiterhin bestimmen, werden auf dem falschen Fuß erwischt.
Der Unterschied zwischen Anbieter und Partner
Ein Anbieter verkauft Ihnen Produkte. Ein Partner hilft Ihnen zu wachsen, effizienter zu werden, Risiken zu senken und über die Zeit Kompetenz aufzubauen.
In einem von KI geprägten Markt brauchen MSPs mehr als Funktionen. Sie brauchen Enablement, Weiterbildung, Ressourcen und Orientierung, die ihnen helfen, klügere Entscheidungen für den eigenen Betrieb und für ihre Kunden zu treffen. Wenn Ihre vermeintlichen Partner dabei nicht helfen, sollten Sie unbequemere Fragen stellen.
Besonnene Einführung ist die richtige Haltung
MSPs sollten keine Scheu mehr haben, mit Kunden auf Geschäftsebene über Veränderung zu sprechen. Kunden wollen damit nicht allein gelassen werden. Sie brauchen Hilfe dabei zu verstehen, wo Automatisierung Hebelwirkung erzeugt, wo KI Risiken mit sich bringt und wie man beides angeht, ohne mehr Probleme zu schaffen, als man löst.
Gleichzeitig bleibt Vorsicht wichtig. KI kann echte geschäftliche Risiken erzeugen, wenn sie falsch eingesetzt, missverstanden oder ohne ausreichende Transparenz ausgerollt wird. MSPs brauchen weiterhin einen Menschen im Entscheidungsprozess, überall dort, wo eine falsche Entscheidung Risiken für Sicherheit, Betrieb oder Kunden schafft. Richtig ist eine durchdachte Einführung mit klaren Ergebnissen, mehr internem Wissen und gesundem Respekt vor den Risiken.
Automatisierung und KI können Techniker:innen tatsächlich Zeit zurückgeben, die Service-Erbringung verbessern und Raum für höherwertige Arbeit schaffen. Am meisten profitieren werden aber die MSPs, die sich an Ergebnissen orientieren, ihre Teams weiterbilden und ihre Kunden mit Wissen durch den Wandel begleiten.
Dieser Artikel von Paul Redding, Head of MSP Partnerships bei NinjaOne, wurde ursprünglich auf The MSP Summit veröffentlicht und wird hier mit Genehmigung wiedergegeben.